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Mai 2007

Artikel, sortiert nach Datum

12.05. Sind die Reutlinger Deppen

Dieter Hillebrand ist ein Politprofi und mit Stuttgarter Gepflogenheiten bestens vertraut. Deshalb war ihm die Wirkung seines Satzes in dem (von ihm gegen gelesenen) TAG-BLATT-Artikel vom 9. Mai klar: „Das Ding ist tot, länger als manchen lieb ist." Gemeint ist die Dietwegtrasse, und Hillebrand steht mit seiner Meinung in Stuttgart nicht allein. Und auch der Tübinger Regierungspräsident Hermann Strampfer hat klar gemacht, dass er Reutlingen das 36-Millionen-Projekt nicht aufdrängen wird.
Wie mehrfach berichtet, will die Veraltung aufgrund neuer gutachterlicher Stellungnahmen die Trasse nicht vordringlich im Zusammenhang mit dem Scheibengipfeltunnel vorantreiben. Noch hat sie dafür keine Mehrheit im Gemeinderat, im Bauausschuss stimmten am Mittwoch CDU, FWV, BMR und WiR gegen den Beschlussvorschlag. CDU-Fraktionschef Andreas vom Scheidt sagt, er „verstehe die Hektik nicht".Schließlich seien die Planungen 40 Jahre alt, nun müsse man sie nicht innerhalb weniger Wochen ad acta legen: „Das ist von der Verwaltung mit heißer Nadel gestrickt."
Wenn man die Dietwegtrasse aufgeben wolle, müsse man zuerst nach Aternativen suchen, etwa untersuchen, wie sich der Verkehr über Rommelsbacher Straße, Ost-West-Trasse, Stuttgarter- oder Silberburgstraße verteilen und wie man Sondelfingen entlasten könne. Ohne Fortschreibung des Generalverkehrsplans gehe sowieso nichts, so vom Scheidt. Er will des-halb auch den Antrag auf Zuschüsse nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) zunächst weiterlaufen lassen -man müsse die Landesmittel ja nicht in Anspruch nehmen.
Ganz anders sehen das die Grünen, die beantragt haben, den Ratsbeschluss vom Dezember auf Aufnahme ins GVFG-Programm zurückzuziehen. „Wir machen uns sonst zu Deppen", sagt Christoph Joachim. In Stuttgart sei der Eindruck entstanden, Reutlingen habe Millionen für die Trasse übrig, „das müssen wir schleunigst korrigieren". Auch mit Blick darauf, dass man mit Landesmitteln noch den ÖPNV oder, wie OB Barbara Bosch hofft, das vorhandene Straßennetz verbessern könnte. Die Grünen sehen es wie Hillebrand, die Trasse ist tot. Bosch möchte sie einfrieren und irgend-wann wieder zum Leben erwecken. Aber da dürfte dann Hillebrand vor sein, der Bosch mit der CDU-Fraktion mehr oder weniger zu dem GVFG-Antrag gedrängt hat und sich nun in Stuttgart ebenfalls nicht zum Deppen machen lassen will. Hüscht oder hott. Überhaupt sieht die Verwaltung nicht so gut aus: Die Zahlen des alten Generalverkehrsplans lagen vor, die hätte man auf dem Rat-haus nach Aufnahme des Scheibengipfeltunnels in den Fünfjahresplan des Bundes und vor der Dietweg-Antragstellung ans Land sehr wohl lesen und ohne Gutachter interpretieren können. Und erst nachdem sich massiver Protest in der Bevölkerung geregt hat, setzte das Umdenken ein. Umschwenken dürfte früher oder später auch der Rat, die CDU nach Ratschlag mit Hillebrand, die anderen auf Rat des Gutachters.

Wolfgang Alber

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25.05. Dietwegtrasse nicht vordringlich

Dietwegtrasse nicht vordringlich

Knappe 20:19-Mehrheit: Reutlinger Gemeinderat will statt dessen andere Verkehrswege verbessern

REUTLINGEN (wal). Nach dreistündiger Debatte gab es gestern Abend ein hauchdünnes Ergebnis: Mit 20:19 Stimmen beschloss der Reutlinger Rat, die Dietwegtrasse „nicht vordringlich im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Scheibengipfeltunnel“ zu betreiben. Statt dessen sollen auf Grundlage eines neuen Gesamtverkehrsplans Alternativen für den bis zu 36 Millionen teuren Zubringer gesucht werden.
Wie berichtet, wollte die Verwaltung aufgrund eines Gutachtens von Prof. Gunter Kölz neue Prioritäten setzen. Kölz kommt zur Auffassung, dass die Wirksamkeit der Trasse geringer ist als angenommen, dass sie die Innenstadt weniger entlastet als erwartet – und sogar vorhandene Bundesstraßen belastet. Die Trasse sei ein vom Tunnel „unabhängiges Netzelement“ und „kein Heilsbringer“. Die Röhre indes hält er wegen der Entlastung der Oststadt weiter für „zentral“.

Der Ludwigburger Stadt- und Verkehrsplaner plädiert deshalb dafür, neben dem Tunnel Geld vor allem in die Stadtentwicklung zu stecken, die Trasse hinten anzustellen, innerstädtische Verkehrsräume, Straßen in der durch den Tunnel mit bis zu 5000 Fahrzeugen pro Tag mehr belasteten Bezirksgemeinde Sondelfingen und anderen Gebieten zu „optimieren“.

OB Barbara Bosch verwies zudem auf eine Stellungnahme aus Stuttgart, nach welcher der Bund, aus dessen Zuständigkeit die Straße in kommunale Veranwortung überführt hätte werden müssen, sich nicht an den Kosten beteilige. Damit wären an der Stadt zwischen 11 und 18 Millionen Baukosten und bis zu 450000 Euro pro Jahr an Folgekosten hängen geblieben. Bosch: „Lieber nehme ich das Geld und stecke es in das städtische Straßennetz:“

Das sehen auch die Sondelfinger so, berichtete Ortsvorsteher Werner Schenk. Freilich müsse man nun für die eh schon hoch belastete Ortsdurchfahrt L 378a verkehrsrechtliche Anordnungen finden, um den Verkehr zu steuern.

Der vom Sonderfinger Bezirksgemeinderat abgesegnete Beschluss, der eine Optimierung der Verkehrsräume in der Innenstadt und in Sondelfingen beinhaltet wurde mit dem Zusatz, dass dies auch für Storlach und Orschel-Hagen gelten müsse, letztlich angenommen. Zugleich aber wird die Trasse zumindest pro forma noch für „zukünftige gesamtstädtische Überlegungen“ offengehalten.

CDU, FWV, BMR/FDP wollten nach 40 Jahren nicht innerhalb weniger Wochen umschwenken und stimmten dagegen. Man müsse sich erst Gedanken über den Ausbau der Knoten Rommelsbacher-/Schieferstraße und Silberburg-/Stuttgarter Straße machen, sagte Rainer Löffler (CDU). Man müsse den Schleichverkehr untersuchen, meinte Ursula Menton (FWV).

Edeltraut Steidl (SPD) nannte es „Dummheit“, mit der Trasse Verkehr von gut ausgebauten Straßen abzuziehen. Christoph Joachim (Grüne), sprach von einer „unsinnigen Straße“ und forderte, auch den Antrag auf Zuschüsse von Landesmitteln zurückzuziehen. Werner Felix Schobel (WiR) warb dafür, den „uralten Zopf“ abzuschneiden. Und so kam es mithilfe der Stimmen von SPD, Grünen, WiR und Margret Grimm (BMR).

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