Startseite | Impressum und Haftungsausschluss | Sitemap

Mai 2007

Artikel, sortiert nach Datum

25.05. Dietwegtrasse kein "Heilsbringer"

GEMEINDERAT / Knappe Mehrheit stimmt für "nicht vordringlich"
Dietwegtrasse kein "Heilsbringer"

Allein der Scheibengipfeltunnel bleibt zentrales Element der Ortsumfahrung
Zahlreiche Bewohner des Storlach-Gebiets verfolgten gestern die Debatte im Gemeinderat über die Dietwegtrasse.
Die Dietwegtrasse ist in der Realisierung "nicht vordringlich", beschloss gestern der Gemeinderat mit einer knappen 20:19-Mehrheit. Dafür wird jetzt versucht, die innerstädtischen Verkehrsräume, inklusive Storlach, Sondelfingen und Orschel-Hagen zu optimieren.


REUTLINGEN CDU, FWV und FDP/BMR votierten dagegen, hatten aber mit 19 Stimmen keine Mehrheit. Somit ist die Dietwegtrasse, wie von der Verwaltung vorgeschlagen und von SPD, Grünen und WiR unterstützt, nichtmehr als
vordringlich in der Planung und Realisierung zu sehen. OB Barbara Bosch verwies während der gestrigen Ratssitzung nochmals nachdrücklich darauf, warum die Stadt die Dietwegtrasse nicht mehr als vordringliches Straßenbauprojekt vorantreiben will - weil das einst als "sinnvolle Netzergänzung" angesehene Straßenstück nicht die erhoffte verkehrliche Entlastung der Innenstadt bringe. Sie müsste für teures städtisches Geld bezahlt
werden, wovon dann nur eine weniger befahrene Bundesstraße profitieren würde.

Genau dies hatte der Ludwigsburger Stadtplaner Prof. Gunter Kölz in seiner gutachterlichen Stellungnahme herausgefunden (wir berichteten). Die Dietwegtrasse sei für den Nahbereich kein "Heilsbringer". Wegen der begrenzten Finanzen müsse die Stadt folglich abwägen und Prioritäten setzen.
Der Scheibgipfeltunnel als zentrales Element der Reutlinger Ortsumfahrung sei dringlich (mittlerweile ist er im Fünf-Jahres-Investitionsplan des Bundes enthalten), die Dietwegtrasse hingegen könne man "optional" behandeln.
Reutlingen solle lieber in die anstehenden großen Aufgaben investieren.
Rainer Löffler (CDU) nahm sich den Stadtplaner gleich zur Brust, Kölz solle Verkehrszahlen interpretieren und keine politischen Schlussfolgerungen ziehen, dies sei Aufgabe des Gemeinderats. Der Professor konterte locker: Verkehrsplanung sei heute auch Stadtplanung. Löffler wollte sich nicht so schnell von der Dietwegtrasse verabschieden, forderte weitergehende Untersuchungen, wie sich beispielsweise der Verkehr von der B 464 zum Scheibengipfeltunnel sowie in Orschel-Hagen und Sondelfingen entwickeln wird. "Erst müssen wir noch unsere Hausaufgaben machen, um objektiv zu entscheiden."
Für Edeltraut Stiedl (SPD) wäre es eine "Dummheit", den Verkehr von einer gut ausgebauten Bundesstraße abzuziehen und eine neue Straße zu bauen. Es bestünde keine übertriebene Eile für eine Dietwegtrasse, die als "Option" ja freigehalten werden könne.
Die Grünen waren schon immer gegen die Trasse, weil sie, so Christoph Joachim, "katastrophal" für die Wohngebiete im Nordraum wäre. Nun sei die Straße auch noch gutachterlich als "Unsinn" festgestellt worden. Die Trasse sei, wie der CDU-Landtagsabgeordnete Dieter Hillebrand formuliert habe, "mausetot". Die Grünen wollten zudem, dass der Antrag beim Land auf Zuschüsse im Rahmen des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) zurückgezogen wird.

Baudezernentin Ulrike Hotz meinte, der Antrag müsse nicht zurückgenommen werden, er könne auch schadlos ruhen, bis ein neuer Gesamtverkehrsplan auf dem Tisch liege.

Ursula Menton (FWV) kam der Kurswechsel zu plötzlich. Jahrelang war man auf die Dietwegtrasse eingeschworen, nun komme ein Gutachten auf ganz andere Zahlen, die man "als normaler Mensch" nicht verstehen könne. Nach Mentons Ansicht sollte man die Dietwegtrasse nicht in aller Eile beerdigen, noch sie
beschleunigen, sondern zunächst einen neuen Gesamtverkehrsplan aufstellen.
Menton wie auch Hagen Kluck (FDP/BMR) plädierte dafür, die Option Dietwegtrasse offen zu halten.
Dr. Felix Werner Schobel (WiR) meinte, die Zahlen und Summen bei der Dietwegtrasse seien so immens hoch (zwischen elf und 18 Millionen Euro), dass man davon Abstand nehmen sollte. Die Dietwegtrasse sei ein "alter Zopf", den es abzuschneiden gelte.

PETER ANDEL


____________________________________________________________________-