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März 2007

Artikel, sortiert nach Datum

2007-03-03

Tunnel ohne Dietwegtrasse bliebe ein Torso

VERKEHRSPLANUNG / CDU-Fraktion und Stadtverband setzen sich vor Ort mit
Anwohnern auseinander

Tunnel ohne Dietwegtrasse bliebe ein Torso

Dieter Hillebrand: Ausbau so umweltverträglich wie möglich und mit optimalem Lärmschutz für Anlieger Stellung bezog gestern die CDU an der Tannenberger Straße für den Bau der Dietwegtrasse.

Die direkte Begegnung mit Betroffenen vor Ort suchte gestern Nachmittag die
CDU. Die fast vollzählige Gemeinderatsfraktion und die Spitze des Stadtverbands
diskutierten an der Tannenberger Straße mit Bürgern über die geplante
Dietwegtrasse - und musste sich teils heftige Kritik gefallen lassen.

REUTLINGEN Den Kommunalpolitikern blies gestern rauher Wind ins Gesicht -
und das nicht nur wettermäßig. Unter den gut vier Dutzend interessierten Bürgern, die sich bei der Auftaktveranstaltung der CDU unter dem Motto "JA! Scheibengipfel-Tunnel und Dietweg-Trasse" am Park & Ride-Platz an der Aral-Tankstelle einfanden, war mancher erbitterter Gegner der geplanten Querverbindung vom Sondelfinger Burgholz zur B 464 im Gewann Orschel. Doch die zwei Polizeibeamten, die sich unauffällig zu der von der CDU ordnungsgemäß angemeldeten "Demonstration" hinzugesellten, mussten nicht eingreifen, auch wenn deutliche Worte im Disput fielen.
Eingangs hatten sich Stadtverbands-Vorsitzender Dieter Hillebrand und Fraktionsvorsitzender Andreas vom Scheidt bemüht, die Bedenken der Anwohner zu zerstreuen. Vom Scheidt zitierte das Beispiel Baden-Baden: "Die haben den
Tunnel auf- und die Innenstadt für den Verkehr zugemacht", berichtete er, der als Anwohner der Ravensburger Straße fast selbst betroffen ist von der geplanten Trasse. Wenn die Umgehung fertiggestellt sei, müsse auch in Reutlingen alles getan werden, um die Wohngebiete dann vom Verkehr freizuhalten.
"Ein solches Projekt kann nicht nur Befürworter haben, aber in der Oststadt finden sich sicher mehr davon als in Orschel-Hagen", vermutet vom Scheidt. "Ich hab ja Verständnis dafür, dass sie net Hurra schreien", hatte Dieter Hillebrand den Anliegern versichert, doch dürfe der jetzt vom Bund in den Fünf-Jahres-Plan aufgenommene Scheibengipfel-Tunnel "kein Torso bleiben – wir wollen auch die Dietweg-Trasse!" Und das "so umweltverträglich wie möglich und mit optimalem Lärmschutz für die Bewohner im Storlach, in Orschel-Hagen und in Sondelfingen". Schließlich nutze diese Hand-in-Hand-Umfahrung allen, heißt es im Flugblatt der CDU: "Den geplagten Bürgern, der Wirtschaft, den Arbeitsplätzen und der Umwelt."
"Wir sind alle für den Scheibengipfel-Tunnel, das ist die Entlastung für die Stadt", teilte Anwohner Heinz Schneider freudig die Sicht der CDU - doch das wars auch schon: Statt auf die neue Trasse sollte der Tunnelverkehr auf der vorhandenen Bundesstraße laufen: "Wir brauchen keine Investitionen in Millionenhöhe, davon hat Reutlingen nichts!" Schon gar nichts hält er von einem Brückenbauwerk, dass den Verkehr in Sondelfingen "an den Balkonen vorbeiführt".
Dagegen mahnte ein Orschel-Hagener die Zusage des Gemeinderats von vor 20 Jahren an, die Nürnberger Straße endlich durch den Dietweg vom Verkehr zu entlasten.
"Wir sind nicht gegen die Deckelung der Trasse", versicherte dagegen Gemeindrätin Inge Villforth, und Hillebrand versprach: "Soweit es in unserer Macht steht, werden wir alles versuchen, um optimalen Lärmschutz zu
bekommen."
Da platzte Christine Wandel der Kragen: "Das ist gelogen." Die junge Mutter kann schon jetzt in ihrer Wohnung an der Sondelfinger Ortsdurchfahrt die Fenster nachts nicht offen lassen: "Wir brauchen nicht noch mehr Lärm und Dreck und Verkehr!"

DIETWEGTRASSE
Erst im Mai im Rat
REUTLINGEN Eigentlich wollte die Stadt gestern Details über die Dietwegtrasse
kundtun, aber weil der Ältestenrat weitere nichtöffentliche Vorberatungstermine
Anfang Mai gewünscht hat, musste der Zeitplan zur Behandlung der Vorlage
verschoben werden. Die Dietwegtrasse wird somit erst in der Mai-Runde ein
Tagesordnungspunkt auf der Gemeinderatssitzung sein.