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Januar 2007

Artikel, sortiert nach Datum

11.01.2007

Leserbrief: Das Argument "Schadstoffreduzierung" ist unbrauchbar

ZUM THEMA DIETWEGTRASSE IM REUTLINGER GEMEINDERAT UND DER BEHAUPTUNG, DIE INNENSTADTLUFT WÜRDE DURCH DEN BAU DES SCHEIBENGIPFEL-TUNNELS BESSER

In den letzten Monaten wurde immer wieder ein Argument für den baldigen Bau der "Bundesstraße 464 neu", meist "Dietwegtrasse" genannt, bemüht: Nur mit Scheibengipfel-Tunnel und Dietwegtrasse kann die Innenstadt, hier vor allem die Lederstraße, deutlich von Feinstaub und Stickoxiden entlastet werden.

Dem ist aber nicht so! Sogar mit einer Verschlechterung der Innenstadtsituation muss nach dem Bau der "Bundesstraße 464 neu" gerechnet werden. Und das lässt sich alleine schon mit den offiziellen Unterlagen und Stellungnahmen von Stadt und Regierungspräsidium belegen.

In der "Ergänzung des Luftreinehalteplan/Aktionsplan für die Stadt Reutlingen" (Gemeinderats-Drucksache 05/050/04) ist sinngemäß zu lesen: Reduktion der Stickoxide (NO2) in der Lederstraße durch Scheibengipfel-Tunnel ungefähr 40 Prozent, durch Tunnel und Dietwegtrasse nur bis zu zehn Prozent mehr; für die Feinstaubbelastung (PM10-Immisionen) ergibt sich durch die geplante "Bundesstraße 464 neu" keinerlei Entlastung!

Der "Gesamtverkehrsplan 1998 von Retzko+Topp" der Stadt Reutlingen geht sogar von einer Zunahme des Verkehrs in der Lederstraße aus, wenn nach der Fertigstellung des Scheibengipfel-Tunnels die "Bundesstraße 464 neu" gebaut würde: 54 367 Fahrzeuge in der Lederstraße nach Fertigstellung des Scheibengipfel-Tunnels; 56 281 Fahrzeuge wenn Tunnel und "Bundesstraße 464 neu" fertiggestellt sind. Das ist ein Plus von rund 2000 Fahrzeugen.

Herr Dr. Hamann vom Regierungspräsidium, räumte bei der Gemeinderatssitzung am 21. Dezember 2006 eine Reihe von Ungereimtheiten beim Luftreinhalteplan ein. Dabei wies er auch auf ein spezifisches Reutlinger Problem hin: Reutlingen hat nicht nur ein Problem bei den Feinstaub- und Schadstoffspitzen an neuralgischen Verkehrsknotenpunkten, nein Reutlingen hat eine heute schon sehr hohe "Hintergrundbelastung". Und genau die würde sich durch Maßnahmen wie der "Dietwegtrasse" sogar noch erhöhen.

Sogar die Politik hat schon öffentlich die Unwirksamkeit der "Dietwegtrasse" im Bezug auf den Luftreinhalteplan eingeräumt. Frau Oberbürgermeisterin Barbara Bosch und Herr Ernst-Reinhard Beck (CDU-Abgeordneter im Bundestag) wurden am 7. Februar 2006 in der Zeitung wie folgt zitiert: "Dass Tunnel und Trasse zusammen gehören, bekräftigten Bosch und Beck gleichermaßen. Beide halten aber den Tunnel als Einzelprojekt für wirkungsvoll genug, um den Feinstaub in Reutlingen zu reduzieren, so wie es die Stadt in ihrem aktuellen Luftreinhalteplan selbst gefordert hat. Dient der Tunnel für sich genommen zunächst als Maßnahme, um den Verkehr aus der Stadt zu bekommen, so soll er in Einheit mit dem Dietweg die Anbindung nach Stuttgart erleichtern ...".

Damit ist das Argument "Dietwegtrasse zur Reduzierung der Luftschadstoffe in der Innenstadt" ein für alle mal unbrauchbar!

Die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung und im Reutlinger Gemeinderat sollten die für die "Dietwegtrasse" notwendigen, hohen städtischen Bau- und Betriebskosten besser dazu einsetzen, nachhaltige und wirksame Luftreinhalte-Maßnahmen für alle Reutlinger Bürger zu ergreifen.

Andreas Frosch, Reutlingen

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