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Oktober 2006

Artikel, sortiert nach Datum

28.10.2006 - Grünes Licht für Achalm-Tunnel

Verkehrspolitik - Fünfjahresplan des Bundes sieht 71 Millionen für Reutlingen vor. Baubeginn 2008 scheint möglich

Grünes Licht für Achalm-Tunnel

VON CHRISTOPH IRION

BERLIN/REUTLINGEN. Die Realisierung des seit fast 40 Jahren geplanten Scheibengipfel-Tunnels an der Reutlinger Achalm ist in greifbare Nähe gerückt. Nach Informationen des »Reutlinger General-Anzeiger« hat das Bundesverkehrsministerium das Tunnelprojekt, das die Kernstadt vom Durchgangsverkehr der Bundesstraße 312 entlasten soll, in seine Fünfjahresplanung aufgenommen.

Damit ist sichergestellt, dass der Projekt-Umsetzung aus Berliner Sicht hohe Priorität eingeräumt wird. Der »Investitionsrahmenplan für die Verkehrsinfrastruktur des Bundes« für 2006 bis 2010 sieht für den Achalm-Tunnel Bundes-Investitionen in Höhe von 71 Millionen Euro vor. Das geht aus einem Schreiben der Leitungsebene des Ministeriums hervor, das dem GEA vorliegt. Im Landkreis Reutlingen will der Bund zudem 4,6 Millionen Euro in die Ortsumgehung Grafenberg (B 313) investieren. Und für den Kreis Tübingen sind 44,1 Millionen zum Ausbau der B 27 zwischen Dußlingen und Nehren vorgemerkt.

Laut Ministeriums-Schreiben schafft der Fünfjahresplan die »notwendigen Rahmenbedingungen für Planungs- und Investitionssicherheit«. Dies gilt vor allem für Projekte mit »weit fortgschrittenem Planungsstand« wie dem Achalm-Tunnel. Die Geldfreigabe steht allerdings unter einem generellen »Vorbehalt der jährlich zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel« des Bundes.

Der Reutlinger Bundestagsabgeordnete Ernst-Reinhard Beck (CDU) sieht »eine ganz wichtige Etappe hin zur Realisierung« erreicht. Allerdings habe er sich konkretere Zusagen »hinsichtlich des Realisierungszeitpunkts und der Finanzierung gewünscht«. Oberbürgermeisterin Barbara Bosch sprach von einem »Durchbruch«. Sie sei froh, dass dieser mit vereinten Kräften gelungen sei. Bosch und Beck halten jetzt einen Baubeginn 2008 für realistisch.

Laut Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) markiert der Fünfjahresplan eine Trendumkehr. Um dem »Substanzverfall« bei Bundesstraßen, Autobahnen und Schienenwegen vor allem im Westen Einhalt zu gebieten, werde der Bund künftig mehr Geld als bisher in »Erhaltungsmaßnahmen« stecken. Seit den 90er-Jahren hatte der Schwerpunkt auf Neubauten im Osten gelegen. Für Neu- und Ausbauvorhaben sieht der Fünfjahresplan insgesamt 50 Milliarden Euro vor, für Erhaltungsinvestitionen 25 Milliarden. (GEA) Seiten 13, 22 u. 28

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28.10.2006 Fehlt nur noch das Geld aus Berlin

Scheibengipfel-Tunnel - Seit fast 40 Jahren wird geplant. Millionen Euro an Vorleistungen durch die Stadt

Fehlt nur noch das Geld aus Berlin

VON JÜRGEN KEMPF

REUTLINGEN. Die Planungen für den Scheibengipfel-Tunnel sind fast 40 Jahre alt. Im Jahr 1967 hat die Stadt die ersten Tunnelentwürfe in Auftrag gegeben und anschließend im Vorgriff auf den Bau viel Geld investiert: etwa zwei Millionen Euro für Planungskosten und rund fünf Millionen Euro für Grunderwerb und Ausgleichsmaßnahmen. »Baureif« ist der Tunnel seit dem Jahr 1997. Da trat nämlich der entsprechende Bebauungsplan in Kraft. Wegen der schweren Tunnelunglücke und einer daraus resultierenden EU-Richtlinie musste im vergangenen Jahr noch einmal umgeplant und ein Rettungsstollen vorgesehen werden.

»Regierungspräsidium, Innenministerium und Bundesverkehrsministerium sind sich einig«, sagte gestern Hartmut Kopp, der Leiter der bei der Planung federführenden Abteilung Straßenwesen und Verkehr im Regierungspräsidium Tübingen. »Wir haben ein gemeinsames Konzept mit einem zusätzlichen Fluchtstollen samt Querverbindungen entwickelt«. Auf der Basis dieses Konzeptes werde das Regierungspräsidium ein ergänzendes Planfeststellungsverfahren beantragen.

Rund ein Jahr Dauer

»Nachdem keine neuen Betroffenheiten damit verbunden sind, gehen wir davon aus, dass das Verfahren weitgehend problemlos ablaufen kann«, meinte Kopp. Er rechnet mit einer Dauer von rund einem Jahr. In das Verfahren würden auch nur die ergänzenden Maßnahmen wie der Fluchtstollen aufgenommen. Der eigentliche Tunnelbau samt Zufahrten sei ja durch das abgeschlossene Bebauungsplanverfahren rechtlich abgesichert. So könne man jetzt schon mit den Detailplanungen für die Zufahrten beginnen. Um den Tunnel bauen zu können, »fehlt dann nur noch das Geld«, meint Kopp.

Seit 1992 steht der Scheibengipfel-Tunnel im »vordringlichen Bedarf« des Bundesverkehrswegeplans, der in seiner derzeitigen Fassung bis zum Jahr 2015 reicht. Erstmals wurde das Reutlinger Vorhaben jetzt in den sogenannten Fünfjahresplan, den »Investitionsrahmenplan von 2006 bis 2010 für die Verkehrsinfrastruktur (IRP)« aufgenommen, den aufzustellen der Bund verpflichtet ist. Diese Pläne habe es schon immer gegeben, sagt Hartmut Kopp, sie seien eine »Absichtserklärung«. Ob die darin enthaltenen Projekte auch realisiert werden, würde davon abhängen, ob im jeweiligen Haushaltsjahr des Bundes Mittel vom Bundestag dafür bereitgestellt werden können. In den vergangenen Jahren seien diese Fünfjahrespläne oft überdimensioniert gewesen, sodass man die Vorhaben gar nicht habe abarbeiten können, sagt Kopp.

Mit 71 Millionen angesetzt

Mit Baukosten von 71 Millionen Euro steht der Scheibengipfel-Tunnel jedenfalls jetzt in der Liste. Noch im Februar hatte das Regierungspräsidium damit gerechnet, die ursprünglichen Kostenvoranschläge von 57,5 Millionen Euro einhalten zu können. Durch die Umplanung und das Anziehen der Baupreise ist dies vermutlich Makulatur, die 71 Millionen sind sicher nicht zu hoch angesetzt. Dafür gibt es eine rund 3,1 Kilometer lange Spange zwischen Knoten Efeu und Südbahnhof samt einer 1,9 Kilometer langen, zweispurigen Röhre mit einem Durchmesser von knapp zehn Metern. Nur 2,80 Meter breit und 3,20 Meter hoch ist der Rettungsstollen, der alle 240 Meter durch Querverbindungen mit dem Haupttunnel verbunden ist.

Derzeit frei gehalten

Fehlt dann nur noch die Dietwegtrasse, die Verbindung vom Knoten Efeu zur Einmündung der B 464 an der Rommelsbacher Straße. Diese Planungen reichen wie die des Tunnels in die siebziger Jahre zurück. Seither wird die Schneise zwischen Reutlinger Wohn- und Gewerbegebiete für diesen Zweck frei gehalten. Wo es Gelegenheit gab, hat sich die Stadt auch schon Grund und Boden gesichert.

Wo die Dietwegtrasse den Wohngebieten im Storlach nahe kommt, soll sie überdeckelt werden - auf einer Länge von 700 Metern. Das macht den Straßenbau nicht billig - mit rund 31 Millionen Euro hat man Anfang dieses Jahres noch gerechnet. (GEA)